July 2021

Google FLoC

- eine Innovation für oder gegen den Datenschutz?

Lesezeit: 4 Minuten

Google, als weltgrößter Browser- und Webanbieter, wird seitens der Datenschützer immer wieder hart kritisiert. Der Grund: Google bezieht den Großteil seiner Einnahmen aus personalisierter
Werbung. Dies erfolgt zurzeit noch mit Hilfe von diversen Tracking-Techniken wie Cookies oder Fingerprinting.

Dieses Tracking greift jedoch in die Privatsphäre der Nutzer ein, denn nahezu jeder Schritt im Internet wird somit verfolgbar, eindeutig zuordbar gemacht und in Nutzerprofilen gespeichert. Die
Folge – wir kennen sie alle – mehr oder weniger groß gestaltete Cookie-Banner, CookieConsent-Tools, Cookie-Walls oder wie sie auch genannt werden.

Das Ende der Cookies und damit das Ende personalisierter Werbung? Wenn es nach Google geht, natürlich nicht! Google hat nach wie vor ein großes Interesse daran, Werbung einzuspielen
und entwickelt bzw. erprobt aktuell einen Ersatz für das Nutzer-Tracking, das ohne Cookies auskommt: Ein System mit dem Namen „FLoC“. Dieses System steckt hinter der geplanten
„Privacy Sandbox“ von Google. Dieser Begriff hört sich sicher an, doch steckt dahinter wirklich mehr Privatsphäre und mehr Datenschutz?

Was macht FLoC?


FLoC steht für Federated Learning of Cohorts. Bei diesem Verfahren wird der Browserverlauf von Chrome-Benutzern für Clustering verwendet. Auf Grundlage der Browserverläufe werden die
Nutzer zu bestimmten Kohorten zugeteilt. Kohorte sind Gruppen von Nutzern mit ähnlichen Interessen wie zum Beispiel Sport oder Kunst.

Der Browser der Nutzer wird einem Namen zugeordnet, durch den erkannt werden kann, welchen Gruppen der Nutzer zugehörig ist. Man kann es sich so vorstellen, als würde der Nutzer
einen Aufkleber auf der Stirn tragen, einem „Flock-Namen“ als HTTP-Header. Dieser enthält Kurzinformationen darüber, was er mag, wohin er geht, was er kauft.

Diese Informationen können (ähnlich wie bei den jetzigen Informationen in den Cookies) mit Webseiten-Betreibern geteilt werden, damit sie zielgerichtete Werbung auf ihren Seiten anzeigen
können.


Vorteile von FLoC


Google verspricht sich von FLoC die Möglichkeit, einen Ersatz für Nutzer-Tracking bei mindestens gleichbleibenden Werbeerlösen zu generieren. Folgende Vorteile werden hervorgehoben:

• Nutzer gehen in den Kohorten unter (in diesen werden ca. 1000 Nutzer zusammengefasst; es erfolgt keine Einzelbetrachtung mehr)
• Browser-Verlauf wird nicht mehr geteilt, sondern lediglich die ID der Kohorte
• Sensible Bereiche sollen ausgespart werden (z.B. Google-Suche nach Krankheiten)

Zu diesem Thema hat Google sogar ein eigenes Whitepaper erstellt. Es kann HIER heruntergeladen werden (Englische Sprache).

Wann wird die neue Funktion starten?


Die neue Funktion soll schrittweise verteilt werden, sogar ohne, dass Nutzer es aktiv mitbekommen. Bisher sind Tests z.B. in Australien, Brasilien, Kanada, Japan, Mexico und natürlich in den USA gestartet. In Europa soll die Funktion aber auch ausgerollt werden.

Anschließend sollen nach Aussage von Google mit zwei speziellen Phasen begonnen werden. In der ersten Phase, die Ende 2022 beginnen soll, haben Publisher und die Werbeindustrie Zeit,
ihre Dienste zu migrieren. Diese Phase soll 9 Monate dauern, sodass Chrome anschließend über einen Zeitraum von drei Monaten die Unterstützung für Cookies von Drittanbieter auslaufen
lassen kann. Somit würden ab 2024 keine Drittanbieter-Cookies mehr von Google verwendet werden.

Ausschalten kann man die Funktion in der finalen Variante anscheinend nicht, diese Option will Google aber wohl nachliefern.

Was ist das Problem?


Auch wenn FLoC sicherlich eine Verbesserung für die Privatsphäre der Nutzer darstellt, sehen Datenschützer die Verwendung von FLoC doch als ziemlich kritisch an. Es ist schließlich nicht
von der Hand zu weisen, dass Google nun einmal Interesse daran hat, mit personifizierter Werbung Geld zu verdienen. Folgende Punkte werden besonders kritisiert:

• Die geteilte ID könnte Fingerprinting erleichtern, da sich die Nutzer nun in kleineren Kohorten bewegen, anstatt in der Masse aller Chrome-Nutzer unterzugehen
• Durch Anmeldungen auf verschiedenen Websites, könnten langfristig die Interessen der Nutzer Aufschluss über dessen Kohorte geben. Einzelne Nutzer könnten somit doch den Kohorten zugeteilt werden.
• Die Kohorten werden durch Google kontrolliert

Es bleibt also spannend, welche Ergebnisse Google aus der Testphase ziehen wird und wie sich das Konzept langfristig entwickeln wird. Vermutlich lassen aber auch andere große Anbieter nicht
auf sich warten, eine entsprechende Alternative zu diesen – mittlerweile doch ziemlich in Verruf geratenen Cookies – zu finden.

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Gerne steht Heike Steinbauer bei Fragen zu grundlegenden Marketing-Konzepten und Marco Steinbauer beim Thema Webprogrammierung zur Verfügung